Nachhaltiges Fliegen dank Schweizer Innovationen

Vertreter der Lufthansa Group und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) haben Mitte Mai 2020 eine gemeinsame Absichtserklärung für eine mögliche Kooperation mit den beiden Spin-Offs Climeworks und Synhelion unterzeichnet. Die von den Tochtergesellschaften SWISS und Edelweiss initiierte Partnerschaft soll zur Beschleunigung der Markteinführung nachhaltiger Flugkraftstoffe beitragen. Die Forschenden und Ingenieure an der ETH Zürich haben innovative Verfahren entwickelt, CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen und es gemeinsam mit Wasser und mit Hilfe von konzentriertem Sonnenlicht in ein Synthesegas zu überführen, das zur Kraftstofferzeugung genutzt werden kann. Ein solcher Kraftstoff setzt nur so viel CO2 frei, wie zuvor aus der Atmosphäre entnommen wurde. Gemeinsames Ziel der Unterzeichner ist es, diese vielversprechenden Technologien für eine spätere Produktion auf industriellen Maßstab vorzubereiten. 

Synhelion arbeitet daran, sogenannt solare Kraftstoffe auf den Markt zu bringen. Dabei wird mit Hilfe von Sonnenenergie Wasser und CO2 aufgespalten und über mehrere Produktionsschritte in synthetische Treibstoffe umgewandelt. Climeworks verfolgt die CO2-Luftabscheidung, um den für die Kraftstoffsynthese benötigten Kohlenstoff nachhaltig bereitzustellen. Climeworks betreibt bereits mehrere Filteranlagen, u.a. in Island, wo das aus der Umgebungsluft gefilterte CO2 entweder im Basaltgestein mineralisiert und so dauerhaft dem weltweiten CO2 Kreislauf entzogen oder der Wirtschaft für weitere Anwendungen zur Verfügung gestellt wird. Beide Unternehmen entwickeln Schlüsseltechnologien für die Erzeugung nachhaltiger Flugkraftstoffe.

Die Lufthansa Group hat sich im letzten Jahrzehnt intensiv mit der Erforschung, Erprobung und Nutzung nachhaltiger alternativer Flugkraftstoffe befasst und 2011 mit der weltweit ersten Langzeiterprobung von Biokerosin im regulären Flugbetrieb Pionierarbeit geleistet.

„…Die Lufthansa Group setzt sich seit Jahren mit Nachdruck dafür ein, das Fliegen immer nachhaltiger zu gestalten. Dank der zukunftsweisenden Technologien und den Kooperationen mit innovativen Partnern… sind wir auf einem guten Weg,“ sagt Christina Foerster der Deutschen Lufthansa AG, zur Unterzeichnung der Absichtserklärung.

Nicht nur die Lufthansa Group hat sich zu den ETH-Ablegern bekannt:
Auch die Flughafen Zürich AG hat Ende Mai 2020 ihre Partnerschaft mit Synhelion verkündet. Synhelion plant eine Testfabrik in der Schweiz, welche ab ca. 2023 synthetischen Treibstoff herstellen soll. Die Flughafen Zürich AG hat sich dabei verpflichtet sich, eine volle Jahresproduktion des „Synfuels“ zu den Herstellungskosten zu kaufen.  Diese werden in der Testphase deutlich über dem Preis von fossilem Treibstoff liegen. Die Flughafen Zürich AG sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 unter dem Strich keine Treibhausgase mehr zu produzieren.

„Die Partnerschaft mit Synhelion bringt uns an die Spitze, wenn es um die Entwicklung neuer ökologisch verträglicher Technologien geht. Dabei wollen wir mehr tun, als nur den Flughafen als CO2-freie Infrastruktur zu betreiben. Wir wollen auch dazu beitragen, den Prozess des Ersatzes fossiler Brennstoffe in der Luftfahrt zu beschleunigen, um das Fliegen in Zukunft klimafreundlicher zu machen. Nicht das Fliegen als solches ist für die CO2-Emissionen verantwortlich, sondern die fossilen Brennstoffe“, betont Emanuel Fleuti, Leiter Umweltschutz bei der Flughafen Zürich AG.

Im Unterschied zu vielen anderen Verkehrsträgern ist der Luftverkehr in absehbarer Zukunft auf Flüssigtreibstoffe angewiesen. Von der Förderung nachhaltiger Kraftstoffe profitiert selbstverständlich auch die General Aviation. Obwohl die Elektrifizierung von Leichtflugzeugen voranschreitet und die Bevölkerung von den nahezu geräuschlosen Motoren profitiert, sind wir von batteriegetriebenen Grossflugzeugen noch weit entfernt. Umso wichtiger ist es, verschiedene Innovationen und Ideen parallel weiter zu entwickeln und deren Vorteile, wo immer möglich zu nutzen.