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Der Aero-Club der Schweiz nimmt die Entwicklungen in der Schweizer Flugsicherung mit grossem Bedauern zur Kenntnis

Der Aero-Club der Schweiz (AeCS), Dachverband der Leichtaviatik und des Luftsports, wurde heute per NOTAM informiert, dass vom 04.07.2019, 14:01 Uhr bis zum 11.07.2019, 13.00 Uhr mit massiven Einschränkungen im VFR-Luftverkehr im Luftraum Zürich zu rechnen ist.

NOTAM: LSZH B0893/19 – VFR FLT SUSPENSION DUE TO ATC CAPACITY. 04 JUL 14:01 2019 UNTIL 11 JUL 13:00 2019. CREATED: 04 JUL 14:02 2019

Der Aero-Club der Schweiz (AeCS) nimmt diese Entwicklungen in Bezug auf Just Culture bei der Schweizer Flugsicherung mit grossem Bedauern zur Kenntnis.

Der Hintergrund dieser Massnahme ist die erste rechtskräftige Verurteilung eines Fluglotsen in der Schweiz am 4. Juli 2019 durch das Bundesgericht. Mit dieser Massnahme und den damit verbundenen Einschränkungen und Kapazitätsengpässen, verursacht durch die diensthabenden Fluglotsen von Skyguide, wird ausgerechnet die Leicht- und Sportaviatik betroffen, eingeschränkt und „bestraft“, ja mehr oder weniger gegroundet. Die Piloten der Leicht-und Sportaviatik und Mitglieder des AeCS sind nun die Leidtragenden einer Auseindersetzung, an der sie nicht beteiligt sind und für die sie keine Schuld trifft.

Wie aus dem, dem Bundesgerichtsurteil zugrunde liegenden SUST-Schlussbericht 2211 zu Grunde liegt, wird in diesem wird festgehalten, dass das Problem dabei in der Kommunikation zwischen den Airlinern und der Flugsicherung identifiziert wurde. Es findet sich keinen Hinweis darauf, dass der VFR-Verkehr zum schweren Vorfall beigetragen hat. Aus diesem Grund darf der VFR-Verkehr auch nicht als Vorwand für eine Problemlösung angezogen werden, ansonsten die Ursache und Wirkung falls dargestellt werden. Der AeCS fordert, dass die im NOTAM getroffenen VFR-Suspendierungen sofort aufgehoben und die ursächlichen Probleme angegangen werden.

Der AeCS fordert, dass die bundeseigenen Unternehmen Skyguide und das Bundesamt für Zivilluftfahrt diese untragbare Situation innert kürzester Zeit beenden und diese Restriktionen schnellstens aufheben. Der AeCS erwartet von den Fluglotsen eine professionelle Haltung. Arbeitsmarktlicher Druck auf ihren Arbeitgeber sowie gewerkschaftliche Forderungen sowohl in Zürich wie auch in Genf und auf anderen kontrollierten Flugplätzen durchsetzen zu wollen ist in dieser Situation fehl am Platz.

Es ist für den AeCS im Weiteren selbstverständlich, dass die notwendigen Gesetzesänderungen längst hätten in Angriff genommen werden müssen, um die Just Culture und damit die straffreie Meldung von Fehlern auf gesetzlich solide Beine zu stellen. Gerichtsprozesse machen die Luftfahrt nicht sicherer. Im vorliegenden Fall haben der Flugverkehrsleiter und einer der beteiligten Piloten den Vorfall offen und ehrlich gemeldet, wodurch eine interne und externe Untersuchung eingeleitet wurde. Die Sicherheitsnetze der Flugsicherung haben die Annäherung der beiden Flugzeuge erkannt und wie vorgesehen zur Entschärfung der Situation beigetragen.

Beim AeCS steht die Sicherheit stets an erster Stelle und aus gemachten Fehlern sind in einer guten Fehlerkultur die entsprechenden Lehren zu ziehen. Es muss alles Mögliche unternommen werden, um Fehler zu vermeiden und die Systeme zu verbessern. Dennoch können menschliche Fehler nie ausgeschlossen werden. Um aus diesen die nötigen Lehren zu ziehen und das System kontinuierlich zu verbessern, ist die in der Aviatik gelebte Sicherheitskultur «Just Culture» entscheidend. Diese ermöglicht es Mitarbeitern, gemachte Fehler zu melden, ohne disziplinarische oder strafrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen, sofern diese nicht mutwillig oder grobfahrlässig begangen wurden. Aus diesen freiwilligen, ehrlichen und umfassenden Meldungen kann die Organisation rasch Verbesserungen ableiten und unterstützende, sicherheitsbringende Massnahmen treffen.

Das heute gültige, gesetzliche Umfeld macht leider Gerichtsprozesse und Verurteilungen notwendig, wenn auch nur sehr schwer verständlich. Die Aviatik wird damit nicht sicherer, sondern die stetige Weiterentwicklung der hohen Sicherheit im Schweizer Luftverkehr wird damit gefährdet, ja sogar unterlaufen. Es stellt sich die Frage, ob das Strafrecht das richtige Mittel zur Ahndung eines Vorfalls darstellt, bei welchem das Sicherheitssystem wie erwartet funktioniert hat und bei dem es zu keinem Personen- oder Sachschaden gekommen ist. Hier ist dringender, gesetzgeberischer Handlungsbedarf angezeigt und die Legislative mit dem eidgenössischen Parlament ist dringend gefordert, die notwendigen Schritte zu einer Gesetzesrevision schnellstens in Angriff zu nehmen.